Internetportal für Bielefelder Bürger und Bürgerinnen
mit Unterstützungsbedarf

Jeder Mensch hat in bestimmten Lebenssituationen und Lebenslagen Bedarf an Hilfe und Unterstützung: das gilt insbesondere für das Leben mit Behinderung und das Leben im Alter. Gut ist, wenn die Gesellschaft Menschen mit Unterstützungsbedarf barrierefreie Teilhabe gewährt und bedarfsgerechte Hilfen anbietet. Dabei ist nicht nur an Barrieren aus Stein und Beton gedacht, sondern auch an alle kulturellen, sozialen, organisatorischen und auch ökonomischen Barrieren. biELEFELD - baRRIEREFREI will an einem barrierefreien Gemeinwesen mitwirken und Ansätze und Initiativen fördern, die sich für eine barrierefreies Gemeinwesen einsetzen. Aktuelle Berichte dazu:

Häufig ist es schwierig, eine den persönlichen Vorstellungen entsprechende Hilfe zu finden. biELEFELD - baRRIEREFREI will Betroffene und deren Angehörige dabei helfen, einen Überblick über vorhandene Angebote in Bielefeld zu erhalten.

Suchen Sie für sich oder Ihre Angehörige Hilfsangebote in Ihrer Nähe? Ob Seniorenheime, Pflegedienste, Wohnangebote, Beratungsstellen, nutzen Sie die biELEFELD - baRRIEREFREI Datenbank Altenhilfe in Bielefeld!

biELEFELD - baRRIEREFREI steht dabei an der Seite der NutzerInnen und hat das besondere Anliegen, neue bedarfsgerechte Formen der Hilfe, die für alle Menschen mit Hilfebedarf dauerhaft finanzierbar sind, vorzustellen und zu fördern.

Welche Erfahrungen machen Sie mit den Hilfsangeboten in Bielefeld, was gelingt gut, wo gibt es Schwierigkeiten, haben Sie Verbesserungsvorschläge? Schildern sie es im Forum!



Farbenfrohes Aushängeschild des Wohn-
projekts Heisenbergweg im Bielefelder Westen: "Wir freuen uns auf eine gute Nachbarschaft..."

Aktuell:
"Generationenübergreifend das Leben gestalten..." - das Wohnprojekt Heisenbergweg

Generationenübergreifend gemeinsam das Leben gestalten und sich zu unterstützen, das ist Leitgedanke eines Wohnprojekts, das derzeit im Neubaugebiet Heisenbergweg im Bielefelder Westen zwischen Schlosshofstrasse und Jöllenbecker Straße entsteht.

Für Gerhild Schulz (67) und Dieter Lenzen (62), ehemals Lehrerin und Lehrer an einer Bielefelder Schule, stehen aktuell zwei Wünsche im Vordergrund: erstens, dass sie nach der langen Zeit der Vorbereitung bald einziehen können und zweitens, dass das gute Verhältnis, was sich zwischen den ProjektteilnehmerInnen eingespielt hat, sich auch nach dem Einzug so gut weiter entwickeln wird.

Der erste Wunsch wird sich voraussichtlich Ende des Jahres, Anfang kommenden Jahres erfüllen. Dann wird das Gebäude, das aus zwei viergeschossigen Häuser besteht und insgesamt siebzehn Wohnungen umfasst, bezugsfertig sein. Der Bau geht mittlerweile in großen Schritten voran, der Keller ist fertig und das Erdgeschoss nimmt bereits Form an. Im Spätsommer wird voraussichtlich das Richtfest gefeiert werden können.

Schulz und Lenzen gehören zu den rund 20 Männer und Frauen, die sich im Laufe der letzten Jahre zusammengefunden haben, um künftig unter einem Dach mit vielen anderen gemeinsam ihr Leben zu gestalten. Vor rund drei Jahren waren sie auf dem Wege eines Zeitungsartikels und einer Infoveranstaltung auf das Projekt aufmerksam geworden. Lenzen erinnert sich: "Das Gute war, dass bereits der Bauplatz im Heisenbergweg vorhanden war und sich eine Kerngruppe gebildet hatte, die das Projekt zielstrebig vorantrieb".

Zunächst waren es überwiegend Ältere, die sich für das Projekt interessierten. Doch mit der Zeit gelang es nach und nach, auch jüngere Menschen für die Idee zu begeistern. "Bei jüngeren InteressentInnen", schildert Schulz, "gab es gelegentlich Bedenken, dass sie mit der Unterstützung, die vielleicht von ihnen erwartet würde, überfordert sein würden." Wichtig jedoch ist auch für die Jüngeren, die Chancen der eigenen Entlastung zu sehen. So können die älteren BewohnerInnen auf die Kinder aufpassen, bei den Schularbeiten helfen oder Nachhilfe anbieten.

Ortsbegehung zu Beginn des Projekts - "Alt und jung, in guter Nachbarschaft, individuell und gemeinsam, stadtnah und ökologisch" sind die Prinzipien des Projekts

Lenzen betont: "Derzeit sind es auch wir Alten, die zur Hochform auflaufen. Wir haben häufig einfach mehr Zeit und können uns um manche Dinge ausführlicher kümmern als die Jungen, die beruflich und familiär oft stärker eingespannt sind." Auch später soll die Unterstützung keine Einbahnstraße - Jung sorgt für Alt - sein.

Grundlage für die Suche nach Interessierten war ein Schlüssel, der entwickelt wurde, um für eine angemessene Mischung aus alten und jungen Menschen, Männer und Frauen, Kindern und Erwachsenen, Alleinerziehenden, Paaren und Singles zu sorgen. Schulz erinnert sich: "Besonders schwierig war es, alleinstehende Männer, sowie die Familien mit Kindern zu finden". Vergleichbare Projekte in anderen Städten wurden zur Kenntnis genommen, aber es wurde nirgendwo etwas abgekupfert. "Die ‚Stattvilla' im ehemaligen Schlachthofviertel, das Projekt ‚Wahlheimat' im Lohmannshof und der Beginenhof sind Projekte, die wir natürlich ebenfalls kennen", schildert Lenzen den Kontakt mit anderen Bielefelder Initiativen.

Im Laufe der Zeit ist von den ProjektteilnehmerInnen, die sich zu einer GbR zusammengeschlossen haben, eine Menge abgearbeitet worden: In Zusammenarbeit mit dem Architekten, die, was Lenzen betont, stets vorbildlich war, wurde nach und nach das Gebäude geplant. Den Zuschnitt der eigenen Wohnung haben alle Beteiligten individuell nach eigenen Vorlieben entwerfen können. Darüber hinaus wurden mehrere Gemeinschaftsräume geplant. Dazu zählen neben einem Werk- , auch der Sport- und Spielraum sowie der Raum für Sauna und Badewanne. So können wertvolle Quadratmeter in den einzelnen Wohnungen gespart werden und jeder hat trotzdem die Möglichkeit, bei Bedarf ein Bad zu nehmen. Herzstück der Anlage ist eine gemeinsame Wohnung mit einem großen Gemeinschaftsraum, der für Hausversammlungen, Feste, Feiern und Ausstellungen genutzt werden kann.

Die Gruppe trifft sich wöchentlich zu einem Arbeitstreffen, darüber hinaus finden in Abständen ganztägige Beratungen, gesellige Treffen und andere Veranstaltungen statt.

Natürlich werden auch ökologische Aspekte bei dem Projekt berücksichtigt. Neben der Nutzung moderner energiesparender Technologie - Fernwärme in Verbindung mit einer Kraft-wärmekopplung und einer Solaranlage für das Warmwasser - handelt es sich bei dem entstehenden Gebäude um Niedrigenergiehäuser. Die Infrastruktur in unmittelbarer Umgebung sorgt dafür, dass vieles zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar ist. Und barrierefrei ist das Gebäude natürlich auch. Die beiden Häuser sind durch einen Fahrstuhl verbunden, viele Türen sind so breit, dass sie auch mit Rollstühlen passiert werden können.

Allerdings eine Barriere gibt es doch: "Man muss deutlich sagen, es gibt eine ökonomische Barriere. Bei allen Wohnungen handelt es sich um Eigentumswohnungen. Alle mussten finanziell so gestellt sein, sich eine Eigentumswohnung leisten zu können. Die Versuche, zum Teil auch in Gesprächen mit der BGW, auch Mietwohnungen einzubeziehen, sind gescheitert: "Qualitativ hochwertiger Wohnraum in einem Wohnkomplex in solch einer zentralen Lage, da wären die Mieten einfach zu hoch gewesen. Das hat sich einfach nicht gerechnet" bedauert Lenzen.

Jede Woche findet ein Treffen statt, bei dem alle Beteiligten aktuelle Fragestellungen miteinander diskutieren und nach einvernehmlichen Lösungen suchen. ‚Normale' Eigentümergemeinschaften sind gemeinhin dafür bekannt, dass in ihnen oft Missgunst und Streit regieren. Das soll im Heisenbergweg anders sein: Es besteht ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen, ein Grundkonsens, der sich bisher als tragfähig erwiesen hat. Und ansonsten ist vieles in der Teilungserklärung festgelegt, die in großen Teilen in Eigenleistung formuliert wurde und schließlich von einem Notar nur noch geprüft werden musste. Hier ist zum Beispiel auch geregelt, was passiert, wenn einer aus dem Projekt ausscheidet.

Den Gemeinschaftssinn kann man nicht verordnen. Da kommt es auf die Haltung des Einzelnen an. Und hier gibt es viele positive Erfahrungen. "Einige treffen sich nun gelegentlich auch schon einfach so, um gemeinsam was Schönes zu machen". "Das Gute ist, dass der Kreis nicht ideologisch festgelegt ist.

Viele haben eine politische oder weltanschauliche Heimat, aber keiner wird etwas auf eine festgelegt" betont Schutz. Natürlich sind alle grundsätzlich bereit, sich an Gemeinschaftsvorhaben zu beteiligen, so zum Beispiel an den Eigenleistungen am Bau, die in nächster Zeit anstehen. Schulz: "Aber wer nicht gut Wände verputzen kann, der kann gemeinsam mit Anderen an dem Tag mal für ein kaltes Buffet sorgen. Und wer einmal Zeit für sich braucht, das ist auch in Ordnung...", erläutert Schulz, dass es da keine allzu starren Reglementierungen gibt.

Mitte Juni 2008, das Erdgeschoss nimmt Formen an - die Wohnungen sind den Bedürfnissen der einzelnen Beteiligten angepasst. Wichtig für das Projekt: die vielen gemeinsamen Wohnflächen.

Für den Kontakt zur entstehenden Nachbarschaft ist eine der gebildeten Arbeitsgemeinschaften zuständig: Geplant ist unter anderem, die beiden Gemeinschaftsflächen im Neubaugebiet gemeinsam mit Nachbarn zu gestalten. "Wir freuen uns auf eine gute Nachbarschaft" verkündet schon jetzt das große Bauschild.

Signalwirkung kann das Projekt in unterschiedliche Weise haben: sich bei der Gestaltung des Lebens, nicht nur im Alter, nicht nur auf die eigenen Kräfte zu verlassen, sondern zu versuchen, seine Bedürfnisse kollektiv umzusetzen, gemeinsam mit Anderen unter Umständen viel mehr bewegen zu können als dies dem Einzelnen möglich ist. Und für das Verhältnis zwischen den Generationen kann zutage treten: Die Hilfe zwischen Alt und Jung muss keine Einbahnstraße sein. Die Alten haben einiges zu bieten: Sie haben Zeit, Kraft und Fähigkeiten, die für die Jungen eine Entlastung bedeuten können. Und eins ist auch klar: "Natürlich wird es auch im Einzelfall notwendig sein, die Hilfe eines Pflegedienstes oder Ähnlichem in Anspruch zu nehmen - das kann nicht alles von der Gemeinschaft getragen werden", macht Schulz auch die Grenzen deutlich, was vom Einzelnen verlangt wird.

Wichtig wird sein, die Balance zu halten zwischen den Bedürfnissen von Alt und Jung, den Verpflichtungen und dem Nutzen für den Einzelnen, zwischen der Bereitschaft, sich auf Gemeinschaft einzulassen und dem Respekt vor den Ansichten und Bedürfnissen des Einzelnen. Dass sich auch der zweite Wunsch erfüllen wird, eine Fortsetzung der bisher so guten Zusammenarbeit der ProjektteilnehmerInnen, dabei wünscht bielefeld barrierefrei dem fortschrittlichen Projekt gutes Gelingen.



Fotos: Lenzen (2+3), Weber-Schlauss (1+4)

Aktuell:

Generationenübergreifend Leben gestalten: das Wohnprojekt Heisenbergweg


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Frühere Themen:

Demographische Entwicklung in Bielefeld

Bielefelder Modell Westerfeldstr.

Leben im Alter: Das Bielefelder Modell


Vorschau:

Leben mit Behinderung

Leben mit Behinderung: Einführung des Persönlichen Budgets
(geplant: 2. Halbjahr 2008)


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